Auf ein Wort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die aktuelle Friedenstaubeninstallation der Kita St. Albertus in unserer Stadtkirche St. Georg lockt auch außerhalb der Gottesdienste Menschen an; viele kommen und staunen. Die Friedenstaubeninstallation will freilich auch zum Nachdenken anregen und die Sehnsucht nach Frieden wachhalten;

Frieden in uns selbst und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen;
die Sehnsucht nach Frieden zwischen den Völkern und Religionen und die Sehnsucht nach einem neuen Umgang mit der geschundenen Schöpfung.
Die Taube ist das erste Hoffnungszeichen für Noah und die Seinen in der Arche. Sie ist das Hoffnungszeichen nach einer furchtbaren Naturkatastrophe, nach einer langen Irrfahrt, einer unsanften Landung und nach Wochen des Wartens. Sie haben überlebt, als einzige, ja. Aber werden sie auch weiterleben können? Denn noch ist nicht sicher, ob die verwüstete Erde überhaupt noch Lebensraum bietet oder ob sie nicht unwirklich bleibt. Die Taube ist das Hoffnungszeichen. Die Taube, die Noah aussendet, kehrt zurück, nicht mit verklebtem Gefieder, sondern mit einem Olivenzweig im Schnabel. Die Erde bringt Leben hervor. Gott sei Dank. Die Überlebenden haben wieder festen Boden unter den Füßen, sie können aufatmen und vorwärts schauen.

Die Taube ist zugleich Symbol des Heiligen Geistes; Gottes Geistkraft gibt Mut und Kraft, Gesellschaft neu zu bauen; eine lebenswerte Zukunft zu gestalten; auch Kirche neu zu denken und in allen aktuellen Krisen der Kirche nicht zu resignieren.

„Du machst neu die Gestalt der Erde“, das bekennen wir zu Pfingsten.
Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem ist die Gemeinde couragiert in die Öffentlichkeit getreten. Gottes Geist lockt auch uns ins Freie, heraus aus den Kirchenmauern, hinein in unsere Stadt, ruft uns, Verantwortung zu übernehmen.

Gottes Geistkraft inspiriert, bewegt Menschen, die sich öffnen für Neues.
Auch wir sind Überlebende, mancher Katastrophe sind wir knapp entronnen, zukünftige haben wir vor Augen. Ja, wir sind Überlebende, sind Nachfahrinnen und Nachfahren Noahs, und wir wissen: Es ist nicht selbstverständlich, dass die Erde noch Lebensraum bietet, es ist nicht selbstverständlich, dass unsere Kirche immer noch vielen Heimat ist.
Die Taube ist das Hoffnungszeichen. Sie bringt auch uns den Ölzweig. Sie bringt ihn, damit wir ihn weitergeben, als Pfarrgemeinden vor Ort noch viel enger zusammenrücken und gemeinsam nach außen wirken. Dann wird Pfingsten konkret.

Ich wünsche Ihnen ein bewegendes Pfingstfest.

Thomas Catta

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