Auf ein Wort

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wer auf Deutschlands Autobahnen unterwegs ist, stößt besonders in den sommerlichen Monaten alle paar Kilometer auf sie:

BAUSTELLEN. Und nur selten kommt Freude auf, angesichts von Fahrbahnsperrung oder Engstellen, Verkehrsbehinderungen mit Staus und Geduldsproben für Zeit und Nerven. Offenbar ist es mit unserer Kirche gerade ganz ähnlich. Sie stellt sich als eine riesige Baustelle dar, überall wird geplant, getagt, beraten, angepasst und ausprobiert, reformiert und protestiert. Und bei uns? In Bensheim gibt es einen Pfarreienverbund mit Pfarrei und Pfarrgruppe, dazu Gemeinden, Kirchorte, kirchliche Einrichtungen.

Wie lange noch?

Mit der Aufforderung, eine „Kirche des Teilens“ zu werden, hat unser Bischof für die Diözese Mainz einen „Pastoralen Weg“ eingeleitet, der uns in den kommenden Jahren beschäftigen wird – und beschäftigen muss. Denn Baustellen haben einen tieferen Sinn: sie wollen etwas Zukunftsfähiges schaffen, das für die gegenwärtige und kommende Zeit trägt und weiterführt. Es ist höchste Zeit, dies auch im Bistum Mainz anzugehen. Manches, was früher gut war und Sinn machte, ist für die Zukunft nicht mehr tragfähig. Anderes muss und kann bewahrt werden. Neues wird entstehen, nicht immer ist vorhersehbar, was daraus wird. Was uns bevorsteht, ist nicht bloß eine Veränderung der Strukturen, es ist eine Verwandlung der Herzen.

Das kann Verwirrung, Ärger oder Unzufriedenheit auslösen. Doch es gibt keinen anderen Weg. Unsere Kirche – im Großen wie im Kleinen – muss sich den Heraus-forderungen der jeweiligen Zeit stellen. Dies war schon immer so und wird auch so bleiben. Kirche ist kein nostalgischer Zeitvertreib, sondern ein „Haus aus lebendigen Steinen“. Eine der wesentlichen Eigenschaften alles Lebendigen ist die Veränderung, die Entwicklung.  Dies braucht Geduld, Gelassenheit und Demut. Und das Vertrauen, dass Christus uns nicht alleine lässt bei unserer Suche nach guten Wegen in die Zukunft. Wenn wir uns daran erinnern, werden wir auch schwierige Baustellen abschnitte meistern.

Wie wird die künftige Gestalt unserer katholischen Gemeinden und Gemeinschaften in Bensheim aussehen? Dies wird sich in den kommenden Jahren in vielen Gesprächen, Beratungen und Entscheidungen entwickeln. Wie auch immer es kommen mag: es ist zwar nicht unwichtig, wie die konkreten Strukturen des „katholischen Bensheim“ sein werden. Viel wichtiger aber ist es, ob Gottes guter Geist in unserem Miteinander spürbar wird. Übrigens kann man diesen Geist manchmal in merkwürdigen Kleinigkeiten entdecken. Zum Beispiel dann, wenn Sie sich beim nächsten Baustellenstau nicht ärgern müssen, sondern Gott danken, dass es Menschen gibt, die im Staub und Dreck der Autobahn für ordentliche Straßen sorgen…

Ihr Pfarrer Harald Poggel

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