Auf ein Wort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

immer noch sind wir in der Pandemie. Vieles ist grundlegend anders geworden. Durch Corona zeigt sich: Unser Leben ist verletzlich. Das Virus deckt auf, wo es bei uns brennt. Arm und Reich werden sichtbarer: Welches Land sich ein gutes Gesundheitssystem  leisten kann und welches nicht. Welche Familie sich im Lockdown in der Wohnung aus dem Weg gehen kann, oder wer auf allerengstem Raum aufeinander hocken muss.

Ängstliche werden noch ängstlicher, Kreative werden kreativer; es ist, als würde die Pandemie das ganze Leben durchleuchten wie bei einer Röntgenaufnahme. Gleichzeitig aber geschehen Dinge, die wir vorher nicht zu träumen wagten: Flugzeuge bleiben am Boden. Der CO2-Ausstoß ist so gering wie seit langem nicht. Sind die Klimaziele doch erreichbar? Solidarität wird möglich. Wissenschaftler rund um den Globus entwickeln einen Impfstoff. An vielen Orten rücken die Menschen näher zusammen, helfen einander. Es geht also auch anders, anders als bisher.

„Es geht. Anders!“ – so lautete das Leitwort der diesjährigen Fastenaktion von Misereor; ein Motto auch für die Zeit der Pandemie. Niemand wird behaupten, dass immer alles so bleiben muss, jeder wird sagen, dass immer auch Veränderungen wichtig sind. Aber: Wenn es mich trifft. Wenn es meine Art zu leben betrifft? Wenn ich mich ändern soll und nicht die anderen?
Wenn Pfarreistrukturen sich ändern? Wenn ich Abschied nehmen muss von Liebgewonnenen?

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ – so deutet Jesus seinen Tod. Das Weizenkorn, dass in der Erde auseinanderspringt und einen Keimling hervorbringt, ist ein Bild für die Auferstehung; für die radikalste aller Veränderungen: vom Tod zum Leben ohne Beeinträchtigung. Ostern, die Auferstehung Jesu ermutigt uns: Es geht! Anders. Das Leben wird sich durchsetzen, ein Wandel ist möglich!

Wir haben einen Gott an unserer Seite, der uns auf dem Weg der Veränderung begleitet. Einen Gott, der darum weiß, dass es von der Einsicht, über die Absicht hin zum Tun oft ein langer Weg ist, der uns immer wieder ermutigt. Ein Sprichwort heißt: „Du hast mehr Möglichkeiten als du denkst, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die Gott mit dir hat.“
Ostern lässt mich fragen: Wo will und sollte ich ganz persönlich Schritte der Veränderung gehen? Wo wünsche ich mir eine Verwandlung zum Guten?

Uns allen wünsche ich motivierende, aufbauende, von der Zuversicht geprägte Osterfeiertage, dass vieles anders, besser geht.

Pfarrer Thomas Catta