Auf ein Wort

Da liegt was in der Luft
Sobald die Natur aus dem Winterschlaf erwacht, beginnt für Allergiker die Pollenflug-Saison. Häufiger Niesreiz, Fließschnupfen, juckende und tränende Augen, sie können die aufblühende Natur nicht genießen. Da liegt was in der Luft, das nicht gut tut.

Wissenschaftler gehen bisher davon aus, dass das Coronavirus über eine Tröpfchen- und Kontaktinfektion weitergegeben wird. Eine neue Studie will bewiesen haben, dass eine Übertragung auch über die Luft möglich ist. Da liegt was in der Luft, und wir wollen uns und andere schützen mit Masken, mit Abstand. In dieser Krisenzeit liegt freilich vieles in der Luft: Wut, Zorn, Überforderung, aber auch: neue Ideen, Hilfsbereitschaft, Besinnung auf das Wesentliche. Als das Virus kam, wurde unsere weite Welt plötzlich eng. Wir spüren, wie elementar wir von dem Gefühl leben, aufbrechen zu können, reisen zu können, einander zu besuchen. Vielleicht sollten wir jetzt öfter unsere Augen schließen und uns in die Ferne träumen, dorthin, wo der Horizont unendliche Weite verheißt, wo Freiheit in der Luft liegt.

Damals, beim Pfingstereignis in Jerusalem, lag Freiheit, Aufbruch, Weite in der Luft. Jesu Jünger haben die Enge ihrer Quarantäne verlassen, sind

begeistert aufgebrochen, wurden in fremden Sprachen verstanden.
Auch an Pfingsten 2020 liegt Gottes Geist in der Luft. Wir dürfen phantasievoll sein, die Spuren des Heiligen Geistes in uns und um uns zu entdecken. Ich denke an die Frau, die sich nach ihrer Hüftoperation jeden Tag regelrecht um den Häuserblock kämpft. Die Bewegung tut ihr gut. Und sie weiß, dass sie sich nicht aus eigenem Vermögen aufmacht, sondern sich von einer großen Kraft ermuntert weiß, jeden Tag neu und bei jedem Wetter. Oder ich denke an den Jugendlichen, der zweimal die Woche für einen alten Nachbarn Einkaufen fährt, lange Telefonate mit ihm führt, ihm zuhört. Manchmal möchte er am liebsten absagen. Aber er tut es nicht; er spürt eine Kraft in sich.

Liebe Leserinnen und Leser,
mit allen Hauptamtlichen unseres Pfarreienverbundes und mit allen, die in unseren Räten Verantwortung tragen, wünsche ich Ihnen an Pfingsten 2020 zu spüren, dass Gottes Geist in der Luft liegt, um kraftvoll unser Herz zu weiten.
Möge Ihnen unser zweites Sonderexemplar „Katholisch in Bensheim“ Freude machen.

Ihr
Thomas Catta
Pfarrer von St. Georg
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